Diese Aussage faszinierte mich und ich kaufte deshalb alle (Anti-) Literatur über den Mormonismus. Ich glaube, es gibt kein kritisches Buch auf Deutsch, das ich nicht gelesen hätte und stellte dabei schnell fest, dass in allen Büchern so ziemlich das Gleiche drinsteht und begann, die Lehren zu untersuchen. Ohne Kirchenliteratur war es allerdings nicht sehr einfach, in meinen Studien voranzukommen und so besuchte ich die mormonische Schweiz-Mission in Zürich, deren Adresse ich aus dem Telefonbuch hatte. Ich kaufte da ein Buch 'Lehre und Bündnisse', das Buch Mormon hatte ich schon von irgendwoher. Ich untersuchte die Beanstandungen der Negativ-Literatur Punkt für Punkt und stellte erstaunliches fest: Diese Anschuldigungen konnten je nach Blickweise gerechtfertigt oder ungerechtfertigt erscheinen und einige waren schlicht unwahr. Wer weiss, wie viel ich gelesen habe, kann sich vorstellen, dass dies sehr gründlich und intensiv geschah. Vielfach sprachen die Mormonen vom gleichen wie die Pfingstler oder andere wiedergeborene Christen, doch sie verwendeten ungleiche Ausdrücke und bedienten sich einer anderen Sprache.

In der Fortsetzung besuchte ich auf einer Geschäftsreise den Mormonen-Tempel in Zollikofen, welcher mir sehr imponierte. Ich hatte sehr starke Eindrücke beim Spaziergang auf dem Gelände und besuchte ein paar Tage später den kleinen Buchladen nebendaran. Es blieb nicht bei diesem einzigen Treffen, ich kam immer wieder und kaufte weitere Bücher, welche ich in der Folge auch immer las.
In dieser Zeit bekam ich auch Kontakt zu leibhaftigen Mormonen und führte äusserst harte Diskussionen mit ihnen. Gleichzeitig war ich von ihrem Lebensstil, von Ihrer Güte und ihrem Langmut stark beeindruckt. Sie müssen sich vorstellen, ich war äusserst verwirrt, denn ich wusste nicht, ob ich bei den Freikirchen bleiben sollte oder mich der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage anschliessen sollte. So war ich wieder auf Geschäftsreise in Bern, besuchte den Tempel Buchladen und kaufte erneut einige Bücher.
Abends im Hotel ging ich in meiner Verzweiflung auf die Knie und betete ein aufrichtiges Gebet, in dem ich den Herrn fragte, was ich in meiner verworrenen Situation wohl tun sollte und ob diese Kirche wohl wahr sei. Mit dem Wunsch, 'Pfingstgemeinde' zu hören ging ich zu Bett.
In der Nacht träumte ich, dass das die Kirche wahr sei und dass die Mitglieder mich nicht belügen.
Ich war schockiert und dachte, wenn ich mich der Kirche anschliesse, werde ich alle meine Freunde verlieren. Ich bat Gott um eine zweite Bestätigung. Nach meinem damaligen Verständnis seien nämlich zwei Zeugnisse verbindlich. In der folgenden Nacht schlief ich zuhause und betete erneut dafür auf meinen Knien.
In dieser Nacht träumte ich, dass das Buch Mormon wahr sei.
Ich war überwältigt und wusste nun, dass mein Anschluss definitiv sei. Endlich hatte ich die Antwort auf meine lange Ungewissheit. Es war ein wunderbares Gefühl, denn ich war in diesem Moment sehr kühn in meinem Glauben an die Kirche. Meine Eindrücke waren sehr real und nichts konnte mich mehr bremsen.
- Am 27.03.1994 wurde ich in der Kirche Jesu Christi getauft
- Am 24.04.1994 wurde ich im Aaronischen Priestertum ordiniert
- Am 5.03.1995 erhielt ich meinen Patriarchalischen Segen
- Am 10.12.1995 wurde ich im Melchisedekischen Priestertum ordiniert
Ich diente bisher als Heimlehrer, Sonntagsschullehrer, Lehrer im Ältestenkollegium, in der Sonntagsschulpräsidentschaft und als Gemeindemissionsleiter
