... so könnte der Titel des neuen Hits von Alex C. und Y-Ass lauten und sich direkt und ohne Umschweife auf mich beziehen! Denn gestern Abend, gerade auf dem Weg, meine Kinder fürs gemeinsame Wochenende abzuholen, geschah mir ein schreckliches Malheur.
Wie immer in Hektik und in Gedanken versunken, fuhr ich bei der Tankstelle meines Vertrauens an einer freien Zapfsäule vor, sprang aus dem Wagen, riss nervös den nächstbesten Tankstutzen aus der Halterung und nestelte ihn mechanisch in die Tanköffnung ... die Liter flossen, bis der 60-Liter-Tank gefüllt war. Ich verschloss ordnungsgemäß Tanköffnung und Pkw, betrat den Verkaufsraum und zahlte brav. Sofort war ich wieder im Auto und schoss los, meine Kinder zu holen. Nach einigen Hundert Metern begann mein noch recht neuer BMW zu stottern, ich schaffte es gerade noch, von der - wie immer - Überholspur an den rechten Straßenrand der Bundesstraße zu gelangen und schon war der Wagen aus.
In diesem Moment blitzte eine bittere Erkenntnis in den Windungen meines während der obigen Aktion auf Erdnussgröße geschrumpften Hirns auf: "Du Arsch hast Super bleifrei in Deinen Diesel getankt!"
Lähmender Schreck erfasste mich und ließ mich panisch vor dem geistigen Auge alle möglichen Optionen abspulen, die auf den Fehlgriff nur zwei Minuten zuvor folgen könnten.
Als ich mich wieder rühren konnte, rief ich als erstes meine Frau an, ihres Zeichens Spezialistin im Kfz-Business. Die Wirkung, die ich bei ihr mit meiner Beichte auslöste, konnte ich durchs Handy "spüren". Der nächste Anruf galt dem BMW Händler meines Vertrauens. Man sagte mir zu, sofort einen Abschleppdienst zu rufen, der mich und meinen nicht mehr funktionstüchtigen BMW abholen würde.
So saß ich also starr in meinem Auto, geparkt auf dem äußersten rechten Rand der rechten Spur, Warnblinker an, Warndreieck aufgebaut und gut auf der Straße positioniert und wartete, dass man mich holt, um mich öffentlich auf dem Marktplatz, den unsere Stadt eigentlich gar nicht hat, am Pranger auszustellen wie ein wildes Tier und mit Pferdemist zu bewerfen. (Ich bitte untertänigst um entsprechend hämische und geistreich-witzelnde Kommentare.)
Aber in dieser Wartezeit von ungefähr 30 Minuten konnte ich wieder viel über die Spezies "deutsche Autofahrer" lernen. Es ist erstaunlich, wie anders das Verhalten der Kfz-Kollegen auf einen wirkt, wenn man sich selbst nicht mitbewegt. Und mir kam die Erkenntnis, dass vielleicht doch nicht ich der größte Arsch bin, sondern all die egoistisch-selbstzentrierten Autofahrer, die täglich ihren ganz persönlichen heiligen Krieg auf deutschen Straßen durchführen.
Es mag Euch ungerecht erscheinen, dass ich immer wieder ausgerechnet auf den deutschen Autofahrern herum hacke, aber das geschieht auf jahrelang fundierter Empirie, ermittelt auf deutschen Straßen. Gut, ich kenne sicherlich nicht das Verhalten der Autofahrer eines jeden Landes. Aber ich bin Auto gefahren in Italien, Frankreich, Spanien, der Schweiz, Österreich, Ungarn, Tschechien, auf Madeira und Griechenland.
Und nirgendwo war der an Panik erinnernde Egoismus so sehr verbreitet wie hierzulande.
Macht Euch einfach mal den "Spaß" und stellt Euer Fahrzeug mit Warnblinker und Warndreieck am rechten Rand der rechten Spur einer zweispurigen Bundesstraße ab. Und dann beobachtet ...
Da versuchen viele freundliche Verkehrsteilnehmer frühzeitig das Hindernis zu umfahren, setzen daher vorschriftsgemäß den Blinker, um anzuzeigen, auf die linke Spur wechseln zu müssen. Was denjenigen, der bereits auf der Überholspur fährt, veranlasst, ganz schnell mal aufs Gas zu treten, "Du kummsch hier net rein!", und dem Umfahrwilligen so das Umfahren des Hindernisses zu verweigern. Der wiederum, jetzt auch bereits panisch, schrammt um Haaresbreite am Pannenfahrzeug vorbei und wünscht dem Ignoranten auf links und dem behindernden Trottel auf rechts gewiss einen qualvollen Tod.
Andere gehören zum Typus "Nicht hupen, Fahrer träumt", erstaunlicher Weise meist mit einem kleinen Mercedes unterwegs. Die halten, zwar mit extrem gemächlicher Geschwindigkeit, direkt auf das Hindernis zu - in diesem Falle ich nebst meinem fahruntüchtigen Auto - und schaffen es gerade noch in letzter Sekunde, indem sie das Steuer herum reißen, das Warndreieck nicht zu überfahren, um Sekunden später ins abgestellte Fahrzeug zu krachen. Mit dieser wilden Aktion jedoch verursachen sie einen beinahe Crash auf der linken Seite und ernten wüsteste Hupattacken.
Lkw-Fahrer sind eine ganz eigene Spezies, sie scheinen schmerzbefreit und kennen weder Freund noch Feind. Sie denken überhaupt nicht daran, es könnte Sinn machen, das Pannenfahrzeug auf der zweiten Spur zu umfahren, sondern zirkeln in hohem Tempo vorbei, quasi zwischen den Fahrzeugen der linken Spur und dem Hindernis zur Rechten, jeweils 10 Zentimeter zu jeder Seite Platz lassend. Man muss das verstehen. Auf der einen Seite haben sie starken Druck der Auftraggeber, auf der anderen Seite sind sie, wenn ich nicht gerade Benzin in den Diesel packe, die Arschlöcher der Straße. Warum nur?
Ich kann Euch sagen, so häufig pro 30 Minuten war ich dem Tode noch nicht nahe. Und so war ich froh, als der Abschleppwagen kam, meinen kaputten BMW 320d auflud und somit sowohl die permanente Lebensgefahr wie meine Schande beendete.
Es ist nicht nur das Gefühl der Schande, dass mir den gestrigen Abend komplett verhagelte, es ist auch die bittere Erkenntnis, dass mich ein paar Sekunden Unachtsamkeit möglicherweise 5.000 Euro kosten werden, wenn ich Pech habe ... und Pech hatte ich die letzten 2 Jahre zuhauf!
Ich steige jetzt um auf Bobby Car ...
Nachtrag 15.03.2008, 9:50: Ich hatte Glück im Unglück. Dank fortschrittlicher Technik in meinem Wagen hat der Motor wohl vor Beschädigung abgeriegelt. Nach Abpumpen des falschen Treibstoffs und Reinigen sämtlicher Leitungen und Benzinpumpe läuft mein Schmuckstück wieder einwandfrei :-)